Verschreibung von Medikamenten zu Lasten von Krankenkassen

Nach dem Verständnis der Fachkommission Diabetes in Bayern e. V. (FKDB) ist es nicht nur Aufgabe wissenschaftlicher Fachgesellschaften, die Entwicklung neuer Erkenntnisse auf ihrem Fachgebiet zu fördern, sondern auch um die Umsetzung dieser Erkenntnisse im Alltag besorgt zu sein.
Wissenschaftliche Erkenntnisse können Änderungen unterworfen sein, sodass, bezogen auf einen bestimmten Zeitpunkt, immer nur vom „Stand der Wissenschaft" (State of the Art) gesprochen werden kann.
Hinsichtlich der Wirksamkeit medikamentöser Maßnahmen wird unterschieden zwischen dem „Nachweis der klinisch pharmakologischen Wirksamkeit“ einer Substanz als solcher (Efficacy) und der „Wirksamkeit unter Alltagsbedingungen“ (Effectiveness).
Zur Beurteilung der Wirksamkeit lassen sich unter anderem die Kriterien der
evidenzbasierten Medizin (EBM), wie sie von D. L. Sackett et al. (Evidence-based medicine: What it is and what it isn’t. Brit. Med.J. 312[1996]71-72, Abdruck mit Genehmigung der Herausgeber in Münch.med.Wschr. 139 (1997) 644-645) zusammenfassend beschrieben wurden, heranziehen.
Der „Stand der Wissenschaft“ (State of the Art) wird von wissenschaftlichen Fachgesellschaften in evidenzbasierten Leitlinien wiedergegeben, die als Behandlungsempfehlungen herangezogen werden können. Die FKDB empfiehlt, eine Behandlung von Patienten gemäß dem „Stand der Wissenschaft“ (State of the Art) an Hand der Leitlinien der wissenschaftlichen Fachgesellschaften durchzuführen.

Es ist nicht Aufgabe einer Fachgesellschaft wie der FKDB, eine Behandlungsempfehlung unter Berücksichtigung verfügbarer Ressourcen (Efficiency) zu geben.
Das Befinden über die Bereitstellung von Ressourcen als solchen, den Umfang der Bereitstellung der Ressourcen und die Verteilung dieser Ressourcen obliegt nicht einer Fachgesellschaft wie der FKDB, sondern ist eine Entscheidung, die von der Gesellschaft als Gesamtheit eines Sozialverbandes bzw. der von ihr eingesetzten Exekutive getroffen werden muss.
Die Begriffe „Nachweis klinisch pharmakologischer Wirksamkeit“ (Efficacy) und „Wirksamkeit unter Alltagsbedingung“ (Effectiveness) mit der „Berücksichtigung verfügbarer Ressourcen“ (Efficiency) zu vermengen, ist unzulässig. Die derzeit in der gesundheitspolitischen Diskussion geübte Praxis, an Stelle eines wie auch immer gearteten oder verursachten Mangels an Ressourcen von einer fehlenden oder nicht nachgewiesenen Wirksamkeit einer Behandlungsmaßname zu sprechen, ist verwerflich.

Einem Exekutivorgan wie dem Gesundheitsministerium obliegt die Verteilung zur Verfügung stehender Ressourcen. Es ist seine Aufgabe, dafür zu sorgen, dass Ressourcen effizient (Efficiency) eingesetzt und nicht vergeudet werden. Es ist sinnvoll, sich hierbei beraten zu lassen, um sich über den „Stand der Wissenschaft“ (State of the Art) zu informieren. Es ist allerdings ebenso seine Aufgabe, dafür Sorge zu tragen, dass Berater ihre Beratung nach dem „Stand der Wissenschaft“ (State of the Art) durchführen und Beratungsergebnisse nach dem „Stand der Wissenschaft“ (State of the Art) abgeben, um Glaubwürdigkeitsprobleme bei der nachfolgenden Entscheidung über Verteilung von Ressourcen zu vermeiden.
Nach Auffassung der FKDB sind gesundheitspolitische Entscheidungen über die Behandlung von Patienten mit Diabetes mellitus mit Glaubwürdigkeitsproblemen behaftet. Die FKDB empfiehlt, sich bei der Behandlung von Patienten an den Leitlinien der Fachgesellschaften zu orientieren.

Der Vorstand der Fachkommission Diabetes in Bayern e.V. (FKDB)
München, den 06. Februar 2007

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