„drei vorwärts - eins zurück“

Drei Schritte vorwärts, einen Schritt zurück.

Daran könnte man bei den drei Auflagen des Flyers der FKDB zur Diagnostik des Gestationsdiabetes denken, wenn man die neuen Empfehlungen der WHO zum Screening auf Gestationsdiabetes liest. (http://www.who.int/diabetes/publications/Hyperglycaemia_In_Pregnancy/en).

Jetzt ist der 50 g Glukose-Vortest wieder "out" .

Die dritte Auflage des Flyers wäre somit überflüssig gewesen. Es musste der  -zwar gut gemeinte- Vorschlag über einen Vortest eingearbeitet werden, - was das gesamte Screening aber nur kompliziert hat.

 Jetzt ist es wieder ganz einfach:

-           Routine 75g oGTT bei jeder Schwangeren in der 24. bis 28. Schwangerschaftswoche.

-            Bei Risikofaktoren früher*,wie es in der ersten und zweiten Auflage des Flyers angegeben war. (Siehe Fußnote* )

                                                  WHO-Empfehlung zum Screening [32 KB]
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was war bisher?

Die Empfehlungen zur Diagnostik und Therapie des Gestationsdiabetes der Arbeitsgemeinschaft Diabetes und Schwangerschaft der DDG und DGGG wurden grundlegend überarbeitet.

Neben der evidenzbasierten Leitline steht auch eine Praxisleitlinie zur Verfügung. 

Test auf Schwangerschaftsdiabetes wird GKV-Leistung -- Merkblatt unterstützt die ärztliche Aufklärung

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Der nachfolgende Text ist -zitiert- der Veröffentlichung "Gestationsdiabetes - praktische Aspekte nach der neuen S3-Leitlinie"  von H. Kleinwechter und U. Schäfer-Graf  in Diabetologie und Stoffwechsel, 6. Jahrgang (2011) Heft 3, Seite R 27 - R40 entnommen.

Empfohlene Gewichtszunahme der Mutter im Schwangerschaftsverlauf

Eine zu geringe oder exzessive Gewichtsentwicklung während der Schwangerschaft erhöht die Rate an Schwangerschaftskomplikationen. Außerdem haben Mütter mit übermäßiger Gewichtszunahme während der Schwangerschaft Probleme, das Gewicht postpartal wieder zu verlieren und tragen damit eine Hypothek für Risiken in weiteren Schwangerschaften und Risiken für ihre allgemeine Gesundheitsprognose. Daher hat das US-amerikanische Institute of Medicine (IOM) in einem umfangreichen Bericht [10] Empfehlungen für Gewichtsbereiche aus Beobachtungsstudien abgleitet, die mit einer verbesserten Prognose für Mutter und Kind verbunden sind (Tab. 2) und je nach präkonzeptionellem BMI differieren. 

Um den Schwangeren die Selbstführung der Gewichtsentwicklung zu erleichtern und zu veranschaulichen, können Nomogramme verwendet werden (Abb. 6). Hierbei wird das Gewicht mit 12 SSW bei Erstvorstellung nach GDM-Diagnose dokumentiert. Danach kann die Schwangere ihr Körpergewicht ohne Bekleidung einmal wöchentlich zu Hause messen, eintragen und die Ergebnisse zu den Arztterminen mitbringen. Eine moderate Gewichtsabnahme in den ersten Wochen nach Ernährungsumstellung wird häufig beobachtet und ist unbedenklich.

 

Tabelle und Abbildung wurden einem Vortrag von H. Kleinwechter

anlässlich der 46.Jahrestagung der DDG 2011 in Leipzig entnommen.

 

 


In Anlehnung an die gezeigte Abbildung wurden vom Diabetologikum Kiel für verschiedene BMI-Bereiche (siehe Tabelle) Nomogrammvorlagen erstellt, die den Schwangeren zur Dokumentation der Gewichtszunahme mitgegeben werden können.
Diese Nomagramme finden Sie auch in der Leitlinie Gestationsdiabetes mellitus (GDM) Diagnostik, Therapie und Nachsorge [906 KB]

Gewichtszunahme GDM bei BMI unter 18,5 kg/m2 [69 KB]

Gewichtszunahme GDM bei BMI 18,5 - 24,9 kg/m2 [69 KB]

Gewichtszunahme GDM bei BMI 25 - 29,9 kg/m2 [68 KB]

Gewichtszunahme GDM bei BMI 30 und höher kg/m2 [67 KB]

Fußnote zu "früher"

zu "früher" :
Siehe auch die Ausführungen im Textteil - Seite 3 und Seite 5 - der 3.Auflage des Flyers Gestationsdiabetes (3.3 - Textteil [1.160 KB] ) sowie das Kapitel "Diagnose des manifesten Diabetes bei Erstvorstellung in der Schwangerschaft" - vor der 24.Schwangerschftswoche in den Praxisempfehlungen der DDG.)

Diagnose des manifesten Diabetes bei Erstvorstellung
in der Schwangerschaft
Bei Erstvorstellung in der Frühschwangerschaft (vor 24 SSW) sollen
Schwangere mit erhöhtem Risiko auf das Vorliegen eines (bisher
unerkannten) manifesten Diabetes untersucht werden

Zwei Verfahren sind möglich:
▶ Messen der venösen Gelegenheitsplasmaglukose während eines
ohnehin vereinbarten frauenärztlichen Termins, unabhängig
von Tageszeit und Nahrungsaufnahme. Bei einem Wert
≥200mg/dl (11,1mmol/l) erfolgt dann durch eine venöse Nüchtern-
Plasmaglukose-Zweitmessung eine Zuordnung zu den drei
in [●" Abb. 1] beschriebenen Gruppen.
Bei Ergebnis der Gelegenheitsglukose zwischen 140 – 199mg/dl
(7,8 – 11,05mmol/l) können zur weiteren Abklärung Blutglukose-
Zweitmessungen oder ein oGTT nach Maßgabe (gemäß
WHO) der Betreuer sinnvoll sein. Auch in individuellen Hochrisikofällen
(2 oder mehr Risiken) kann nach Betreuermaßgabe
ein oGTT vor 24 SSW durchgeführt werden. Ein normales
oGTT-Ergebnis vor 24 SSW darf nicht dahin gehend fehlinterpretiert
werden, dass sich in der weiteren Schwangerschaft die
Glukosetoleranz nicht mehr verschlechtern würde.
▶ Alternativ kann eine Nüchternglukose gemessen werden. Bei einem
Blutglukosewert im venösen Plasma ≥92mg/dl (5,1mmol/l)
erfolgt ebenfalls eine Zweitmessung.
Die Blutglukosemessungen müssen Laborstandard erfüllen. Der
Verdacht auf einen manifesten Diabetes muss durch eine Zweitmessung
bestätigt werden. Das Ergebnis der Zweitmessung entscheidet.
Die Zweitmessung kann am selben Tag aus einer
weiteren venösen Blutprobe erfolgen. Bei normalen Blutglukosewerten
wird mit 24+0 – 27+6 SSW ein 75-g-oGTT durchgeführt

Persönlicher Kommentar:
Vermutlich wird eine Diskussion anheben, die alternativ zur Blutzuckerbestimmung eine Bestimmung des HbA1c-Wertes vorschlägt.
1.) Eine HbA1c-Bestimmung ist teurer als die Blutzuckerbestimmung mit Zweitmessung.
2.) Bei kürzlich erfolgter rascher Manifestation eines Typ 1 Diabetes kann ein HbA1c-Wert noch nicht signifikant erhöht sein.
(P.Bottermann)

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