4.) Gestationsdiabetes- "State of the Art"

 
Statt einer 4. Auflage des Flyers Gestationsdiabetes nachfolgend einige einfache Handlungsanweisungen für den Alltag. Zusammenstellungen zur Diagnostik und Therapie des Gestationsdiabetes nach dem derzeitigen Stand der Erkenntnisse.

Empfehlungen der WHO zum Screening auf Gestationsdiabetes http://www.who.int/diabetes/publications/Hyperglycaemia_In_Pregnancy/en

 (In den Empfehlungen der WHO wird der 50 g Glukose-Vortest (Challenge-Test) nicht vorgeschlagen. Er wurde in Deutschland auf Wunsch des IQWiG in die Mutterschaftsrichtlinien eingeführt. In Österreich und in der Schweiz, in denen bereits seit einiger Zeit ein generelles Screening stattfindet, ist der 50 g Vortest nicht vorgesehen.)

  

Screening

Standardisierter 75g oGTT bei jeder Schwangeren routinemäßig in der 24. bis 28. Schwangerschaftswoche. 

Bei Vorliegen von Risikofaktoren jederzeit (also auch früher, so bereits zu Beginn einer Schwangerschaft).

 

Bewertung des 75 g OGTT

 Grenzwerte gemäß HAPO-Studie                  

Nüchtern:        "  92 mg/dl     (5,1  mmol/l)

1. Stunde:       "180 mg/dl     (10,0 mmol/l)

2. Sunde:        "153 mg/dl     (8,5  mmol/l)  

Ein Gestationsdiabetes liegt vor, wenn ein Grenzwert erreicht oder überschritten wird.

 

Zur Diagnostik muss eine qualitätsgesicherte Bestimmungsmethode (Labormethode) angewandt werden. Blutzuckerteststreifengeräte sind unzulässig.

 

 

Therapie

-           Geregelte Kost (früher bezeichnet als Diabetes-Diät ). 

-          Wenn die Zielwerte nicht erreicht werden, Behandlung mit Insulin.

(andere Antidiabetika sind bei einer Schwangerschaft nicht zugelassen.

     Anmerkung:  Metformin scheint für den Feten nach einigen Hinweisen in der Literatur aber unbedenklich zu sein.)

 

Blutzuckerzielwerte vor der 24. Schwangerschaftswoche (SSW) bei allen Schwangeren  

     Einstellungsziele

         kapilläres Plasma

 

     (mg/dl)

   (mmol/l)

Nüchtern / Präprandial

      65 - 95

    3,6 - 5,3

1 Stunde postprandial

    " 140

     " 7,8

2 Stunden postprandial

    "  120

      "  6,7

       

 

                 *Mittelwert aus mindestens 3 prä und 3 postprandialen Werten bei     

    *    1 Std. postprandial

    *    2 Std.postprandial

   90 - 110 mg/dl

   80 - 100 mg/dl

 

   5,0 - 6,1 mmol/l

   4,4 - 5,5 mmol/l

 

                bei Insulintherapie präprandial 60 mg/dl (3,3 mmol/l) nicht unterschreiten! 

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Blutzuckerzielwerte nach der 24. Schwangerschaftswoche (SSW)   Die o.g. Blutzuckerwerte gelten nur bis zur 24. SSW. 

evtl. Modifikationen in Abhängigkeit vom Abdominalumfang (AU) des Feten im Ultraschall (US) zur Vermeidung von SGA* und LGA*.      Ultraschall-Kontrolle nach der 24. Schwangerschaftwoche alle 2 -3 Wochen.

Vorgeschlagene Zielwert-Modifikationen

                     *SGA: to small for gestational age                                              *LGA: to large for gestational age

 Anmerkung: In der Leitlinie werden keine Angaben zu 2 Std.-Werten postprandial gemacht. Sie können  vermutlich ebenfalls bei SGA um 20 mg/dl höher und bei LGA um 20 mg/dl niedriger gewählt werden; es sind jedoch keine gesicherten Daten bekannt.

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Weiterführung der Behandlung bis zur Entbindung nicht schematisiert, sondern individuell und situationsbezogen.

Die gynäkologisch-geburtshilfliche Betreuung erfolgt parallel zur diabetologischen Betreuung.

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Nach der Entbindung und Normalisierung der Blutzuckerwerte

 -           Beratung über Diabetesprophylaxe

 

-          Nach ca. 6 Wochen Kontrolle mit 75 g oGTT

-          Verlaufskontrollen mit 75 g oGTT in jährlichen Abständen.

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Hinweise zur Ernährung während Schwangerschaft

Hinweise zum Kalorienbedarf und zur Gewichtszunahme während einer Schwangerschaft
 

Muster für Führung einer Gewichtskurve

Die Gewichtszunahme während einer Schwangerschaft soll einen bestimmten Wert nicht überschreiten, aber auch nicht unterschreiten.
(Während der Schwangerschaft soll man nicht "Essen für Zwei", damit man nicht zu dick wird.  Man soll aber auch nicht hungern, da dann das Kind ebenfalls hungert und sich u.U. schlecht etwickelt.)
 
Beispiel
 

Vorlagen für Selbsteintragung - Körpergewicht

Hier finden Sie 4 Vorlagen, in die Sie abhängig von Ihrem Ausgangsgewicht (BMI = Body Mass Index) vor Beginn der Schwangerschaft Ihre Gewichtszunahme während der Schwangerschaft eintragen können. So können Sie einfach sehen, ob sich Ihre Gewichtszunahme währed der Schwangerschaftswochen (SSW) im gewünschten Bereich bewegt.

Gewichtsziel bei BMI unter 18,5 [69 KB]

Gewichtsziel bei BMI von 18,5 bis 24,9 [69 KB]

Gewichtsziel bei BMI von 25,0 bis 29,9 [68 KB]

Gewichtstiel bei BMI über 30,0 [67 KB]

Pathophysiologische Überlegungen

Pathophysiologische Überlegungen zum Gestationsdiabetes [571 KB]

Mody Typ 2 und Gestationsdiabetes

Siehe hierzu Überlegungen, die unter Diskussionsbemerkungen zu finden sind.

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"lifestyle intervention"

„lifestyle intervention“ bringt wirklich etwas!

Nach der Entbindung
Auch wenn die Blutzuckerwerte nach der Entbindung normal sind:
Nach 6 bis 12 Wochen Kontrolluntersuchung mit 75 g Glukosetoleranztest
Einmal jährlich Kontrolluntersuchung mit 75 g Glukosetoleranztest
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Beratung über Diabetesprophylaxe („lifestyle intervention“)
„geregelte Kost“ beibehalten,
bei Übergewicht ---> Gewichtsabnahme
körperlich „fit“ halten (Bewegung in jeder Form)
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„lifestyle intervention“ bringt wirklich etwas!
gestational diabetes: A three-year, prospective, randomized, clinical-based, Mediterranean lifestyle interventional study with parallel groups
Clinical Nutrition, 10/27/2014
 Clinical Article

Pérez–Ferre N, et al. – The study aim was to evaluate the efficacy of a lifestyle intervention for the prevention of glucose disorders (impaired fasting glucose, impaired glucose tolerance or DM2) in women with prior gestational diabetes mellitus (GDM). Lifestyle intervention was effective for the prevention of glucose disorders in women with prior GDM. Body weight gain and an unhealthy fat intake pattern were found to be the most predictive factors for the development of glucose disorders

ResultsLess women in the intervention group (42.8%) developed glucose disorders at the end of the three-year follow-up period compared with the control group (56.75%), p < 0.05.

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