03.12.2015: Problem der abnehmenden Muskelmasse

PRESSEINFORMATION
Das dicke Problem der abnehmenden Muskelmasse
Einheitlicher diagnostischer Ansatz nötig

München, den 03.12.2015 – Fettleibigkeit und altersbedingter Muskelabbau
(Sarkopenie) können sich im Alter gegenseitig verstärken und so ihre Effekte auf
körperliche Einschränkungen, Erkrankungen und Lebensdauer maximieren.
Entsprechend ist die vorhandene Muskelmasse ein wichtiger Vorhersagefaktor für die
zukünftige körperliche Funktion und Lebenserwartung. Das sind die Ergebnisse von
Studien, die unter anderem von der Forschungsplattform Körperzusammensetzung
des Kompetenznetzes Adipositas durchgeführt wurden.
Bis zum Ende dieses Jahrhunderts wird bei aktuell anhaltender demografischer Entwicklung
ein Drittel der Weltbevölkerung über 60 Jahre alt sein. Gleichzeitig steigt die Anzahl der
Menschen mit Adipositas (=Fettleibigkeit) in den Industrieländern deutlich an. Die bei älteren
Personen häufig auftretende Kombination von Übergewicht/Adipositas und einem Verlust an
Muskelmasse und -kraft wird als sarkopene Adipositas bezeichnet. Sie wird durch
altersbedingte Veränderungen der Körperzusammensetzung und durch den im Alter
erhöhten Körperfettanteil begünstigt. Die sarkopene Adipositas kommt relativ häufig vor.
Daten aus USA zeigen, dass bei den Männern 15 Prozent und bei den Frauen 10 Prozent
eine sarkopene Adipositas aufweisen.
Die Veränderungen der Körperzusammensetzung, die auch dann stattfinden, wenn sich der
Body Mass Index (BMI) nicht signifikant verändert, erhöhen das Risiko für die Entwicklung
eines Metabolischen Syndroms und weiteren Krankheiten wie Osteoporose und
Gebrechlichkeit. Kommt eine Zunahme der Fettmasse mit einer verringerten Muskelmasse
zusammen, sind nicht nur funktionelle Einschränkungen, sondern auch
Stoffwechselstörungen zu erwarten. Vor allem aber bei schweren Erkrankungen sowie bei
Tumortherapien wirkt sich eine vorhandene sarkopene Adipositas negativ auf den
Krankheits- bzw. Therapieverlauf aus.

Mangel an diagnostischen Methoden
„Eine zu niedrige Muskelmasse ist ein Risikofaktor, der häufig übersehen wird“, sagt Prof. Dr.
Bosy-Westphal vom Institut für Ernährungsmedizin an der Universität Hohenheim. Der
Abbau von Muskelmasse könne dabei viele Ursachen haben wie etwa einen ungünstigen
Lebensstil (wenig Bewegung, hohe Energiezufuhr) oder Erkrankungen. Häufig gehe eine
Gewichtszunahme mit einer unterproportionalen Zunahme der Muskelmasse einher, was
nicht nur ein Risiko für Typ 2 Diabetes mellitus darstelle, sondern auch eine Beeinträchtigung
der muskuloskeletalen Funktion (d.h. Krafteinbußen, Sturzneigung und Gebrechlichkeit) zur
Folge haben kann. Bei Übergewicht kann eine zu geringe Muskelmasse durch die hohe
Fettmasse “maskiert“ werden, auch "versteckte Sarkopenie" genannt, da indirekte Methoden
der Körperzusammensetzung wie der BMI oder der Taillenumfang zur Beurteilung der
Muskelmasse ungeeignet sind.
"Es gibt hier eindeutig einen Mangel an standardisierten, diagnostischen Methoden, welche
die physiologische Beziehung zwischen Fett- und Muskelmasse mit einbeziehen“, sagt Bosy-
Westphal, Projektleiterin im Kompetenznetz Adipositas. Es reiche nicht, neben Parametern
wie Körpergröße, Alter, Geschlecht und BMI nur die Muskelmasse zu betrachten. Denn dann
hätten alle Menschen mit Adipositas eine hohe Muskelmasse, so die Medizinerin und
Ernährungswissenschaftlerin. Eine „normale“ Muskelmasse hänge jedoch von der
Körperfettmasse ab. Dieselbe Menge an Muskelmasse sei also bei Menschen mit Adipositas
im Vergleich zu Personen mit Normalgewicht „weniger wert“, da die hohe Fettmasse mit
einer Beeinträchtigung der Muskelqualität und -funktion einhergehe.

Folgen rechtzeitig verringern
Da Altern und Übergewicht/Adipositas erhebliche Auswirkungen auf die Volksgesundheit
haben, stellt eine älter werdende, zunehmend übergewichtige Bevölkerung für das
Gesundheitswesen unseres Landes zweifellos ein großes finanzielles Risiko dar. Somit ist es
notwendig, diesen Bereich intensiver zu erforschen. Adipositas und Sarkopenie verstärken
sich im Alter gegenseitig, so dass auch körperliche Einschränkungen und Beschwerden,
Morbidität und Mortalität zunehmen. Die rechtzeitige Identifizierung älterer Menschen mit
sarkopener Adipositas und die Sicherstellung der wirkungsvollsten Therapie sollte daher
mehr in den Fokus, sowohl in der Wissenschaft als auch in der Praxis, rücken. Eine effektive
Behandlung könnte die klinischen Auswirkungen dieser Krankheit verringern.

Das Kompetenznetz Adipositas
Das Kompetenznetz Adipositas verbindet bundesweit Experten im Bereich Adipositas. Im
Netzwerk organisierte Verbünde erforschen Ursachen und Risikofaktoren für die Entstehung
der Adipositas. Sie entwickeln und überprüfen neue Therapien sowie Präventionsstrategien.

Das Kompetenznetz stellt fundierte und verständliche Informationen für Ärzte, Verbände,
Medien und Betroffene bereit. Damit sorgt das Netzwerk für eine Vernetzung und Stärkung
der Adipositasforschung in Deutschland, für einen verbesserten Wissenstransfer der
medizinischen Forschung und am Ende für eine bessere Versorgung der Betroffenen.
Weitere Informationen finden Sie unter www.kompetenznetz-adipositas.de.

Die Rubrik „Forschung kompakt“ macht Wissenschaft für Alle verständlich.
Literatur:
Bosy-Westphal A, Müller MJ: Identification of skeletal muscle mass depletion across age and BMI groups in health and disease
- there is need for a unified definition. International Journal of Obesity (2015), 39: 379 - 386
Abdruck honorarfrei. Belegexemplar erbeten.
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Weitere Informationen können Sie gerne anfordern bei:
Kompetenznetz Adipositas
Klinikum rechts der Isar
Technische Universität München
Uptown München Campus D
Georg-Brauchle-Ring 60/62, 5. Stock
80992 München
Dr. Christina Holzapfel, wiss. Geschäftsführerin
Telefon: +49 89 289 249 23
Fax:+49 89 289 249 22
E-mail: christina.holzapfel@tum.de

05.09.2014 - Politik ignoriert Adipositas-Epidemie

Trotz Warnungen: Politik ignoriert Adipositas-Epidemie
Stiefmütterliche Behandlung der Adipositas birgt Gefahren für das Gesundheitssystem
München, den 05.09.2014 – In Deutschland leiden immer mehr Menschen an Übergewicht und Adipositas. Das Gesundheitssystem wird jedes Jahr durch Kosten für die Behandlung der Folgeerkrankungen wie Diabetes mellitus Typ II, Bluthochdruck und Herzkrankheiten mit zweistelligen Milliardenbeträgen belastet. Durch Präventionsmaßnahmen könnten diese Kosten deutlich reduziert werden. Aktuelle Studien zeigen jedoch, dass Deutschland in Sachen Prävention von Übergewicht, Herz-Kreislauferkrankungen, Krebs und Diabetes hinter der internationalen Entwicklung zurückliegt. Nicht zuletzt will die Bundesregierung nun auch noch die Finanzierung des Kompetenznetzes Adipositas einstellen. Wie wenig ernst die politischen Entscheidungsträger das Thema nehmen, zeigt eine aktuelle und vergleichende Erhebung der Europäischen Adipositas-Gesellschaft (EASO).
Die vollständige Pressemitteilung finden Sie hier.
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Kompetenznetz Adipositas
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21.07.2014- Awareness für Adipositas im Bundestag

Awareness für Adipositas im Bundestag angekommen?
Bundestagsmitglied als Bericherstatter für Adipositas und Diabetes.
Lesen Sie nachfolgend eine Pressemitteilung des Kompetenznetzes Adipositas
(P.Bottermann - Juli 2014)

Bundestagsmitglied Monstadt warnt vor Gefahren der Adipositas – Forschungsförderung für
Prävention und Therapie unabdingbar
München, den 21.07.2014 – In Deutschland leben immer mehr Menschen mit starkem
Übergewicht. Eine aktuelle Studie des Rostocker Zentrums zur Erforschung des
Demografischen Wandels hat berechnet, dass bei gleichbleibender Entwicklung die
Adipositasprävalenz bei den über 50-Jährigen bis zum Jahr 2030 um 80 Prozent
steigen wird. Bundestagsmitglied Dietrich Monstadt, seit Anfang des Jahres
Berichterstatter für Adipositas und Diabetes seiner Fraktion, fordert ein koordiniertes
Vorgehen und mehr Aufklärung, um diese Entwicklung zu stoppen. Er spricht sich
eindeutig für eine Weiterförderung der Adipositasforschung im Rahmen des
Kompetenznetzes Adipositas aus.
Die vollständige Pressemitteilung finden Sie hier.
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Mai 2014 - Keine Entwarnung

Keine Entwarnung: Adipositas nimmt in Europa weiter zu

Bundesregierung will Forschungsmittel kürzen - Kompetenznetz Adipositas betroffen
München 25. Juni 2014. Ende Mai 2014 fand in Sofia der 21. Europäische Adipositaskongress statt. Aktuelle Zahlen zur Verbreitung der Adipositas in Europa wurden vorgestellt und diskutiert. Der Trend der letzten Jahre bestätigte sich: die Fettleibigkeit ist weiterhin auf dem Vormarsch. Zwar zeigte sich beispielweise in deutschen Schuleingangsuntersuchungen, dass in diesem Alter die Übergewichtsrate stagniert. In anderen Altersgruppen, wie etwa bei Jugendlichen, Schwangeren und älteren Menschen, steigt jedoch die Zahl der Menschen mit Adipositas weiter ungebremst an, in Deutschland zudem jene mit extremer Adipositas. Die Antwort der Bundesregierung: Eine Fortführung der Förderung des Kompetenznetzes Adipositas durch das BMBF ist nach Ende der laufenden Förderperiode nicht möglich.
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