Zuerst die "facts" und dann die Glosse

Blutzuckerteststreifen
Im ab 01.10.2010 geltenden Arzneiversorgungsvertrag wurden die Vertragspreise für Blutzuckerteststreifen neu geregelt.
Die vdek-Vertragspreise sind ab diesem Zeitpunkt in der Apotheken-Software hinterlegt.
Die Blutzuckerteststreifen sind danach in zwei Gruppen unterteilt:
Gruppe A: Original-Anbieter (z.B. Accu Chek, Accu Chek Aviva, Ascensia Elite, FreeStyle).
Gruppe B: Überwiegend generische Anbieter (Accutrend, Finetouch, Gluco Check, Gluco Test, Glucohexal, Glucostada, Omnitest, One Touch, Stada Gluco Check, Stada Glucose Control und Wellion).
Grundsätzlich werden Blutzuckerteststreifen zukünftig als austauschbar angesehen. Ein Austausch ist möglich, solange der Arzt diesen nicht durch Setzen des Aut-idem-Kreuzes auf dem Kassenrezept ausgeschlossen hat.
Verschreibt der Arzt Teststreifen und/oder ein Messgerät der Preisgruppe A, ohne Aut-idem-Kreuz, ist die Apotheke angehalten, auf ein preisgünstiges Produkt der Preisgruppe B umzustellen.
Die Apotheken sind vertraglich verpflichtet, 10% der gesamten Verordnungen von Blutzuckerteststreifen mit Produkten der günstigeren Preisgruppe B zu beliefern. Für die Umstellung des Patienten auf das neue Gerät kann die Apotheke einmalig in zwei Jahren eine Umsteuerungspauschale in Höhe von 20,00 € unter Verwendung des Sonderkennzeichens 2567596 abrechnen. Sollten die Apotheken ihre Quote nicht erfüllen können, müssen sie die Differenz zur höheren Preisgruppe an die Kassen zurückzahlen.
Die Abrechnungspreise und die genauen Abrechnungsmodalitäten entnehmen Sie bitte der Anlage 4 des Arzneiversorgungsvertrages
Wichtig: Apotheken können zu dem dort genannten Preis ohne Kostenvoranschlag die Blutzuckerteststreifen mit der DAK abrechnen.

Gefunden bei http://www.dak.de/content/dakleistungserbringer/blutzuckerteststreifen.html

(Oktober 2010 - P.Bottermann)

BZ-Teststreifen in Schilda Teil 1

oder
Arzneiversorgungsvertrag - Teststreifen-Quote für Apotheken

Frau Schildine ist eine ältere Dame mit einem Typ 2 Diabetes, der mit Diät (Verzeihung, geregelte Kosten natürlich) und Tabletten behandelt wird. Frau Schildine misst ihren Blutzucker mit einem Teststreifengerät, so wie man es ihr empfohlen und wie sie es von der Diabetesberaterin gelernt hat; zwar nicht regelmäßig, aber immer dann, wenn sie nach einer Mahlzeit unsicher ist und meint, dass der Wert zu hoch sein könne, da sie eventuell etwas zu viel oder etwas falsches gegessen habe (Sie weiß zwar durch die Schulung, dass es nichts falsches, sondern nur etwas mehr oder weniger geeignetes gibt.) --- Also sie misst dann, um zu sehen, ob sie wohl alles richtig gemacht hat, und lernt bei überhöhten Blutzuckerwerten, diese Fehler in Zukunft zu vermeiden.
Im Großen und Ganzen ist Frau Schildine mit ihren Blutzuckerwerten zufrieden und ihr Hausarzt auch. Beim letzten Hausarztbesuch hat sie ein neues Rezept über Blutzuckerteststreifen für ihr Blutzuckergerät MOBIL erhalten. (MOBIL heißt es nicht, weil es Räder hat und fährt, sondern weil man es in der Handtasche bequem mit sich führen kann.)
In der Rathaus-Apotheke, in der Frau Schildine seit Jahren ihre Medikamente und Teststreifen kauft, werden ihr aber statt MOBIL-Teststreifen andere Teststreifen und ein modernes neues Blutzuckermessgerät anempfohlen, dessen Vorteile beredt geschildert werden. Frau Schildine ist zwar mit ihrem MOBIL-Gerät recht zufrieden, zumal auf dem Display die Werte so groß sind, dass sie nicht nach ihrer Spezialbrille für Kleingedruckten suchen muss. (Je moderner ein Text sich gibt, desto kleiner müssen ja heute die Buchstaben sein; sonst glaubt man nicht, dass der Text modern ist.) Aber schließlich lässt sich Frau Schildine von der Apotheke überzeugen, - und hat ein neues Gerät mit neuen Teststreifen. (Das alte Gerät und den Rest alter Teststreifen hebt sie als sparsames älteres Semester natürlich auf.)
Beim nächsten Besuch bei ihrem Hausarzt erhält sie wieder ein Rezept für Teststreifen. Einige Tage später kommt Schildinchen, ihre achtjährige Enkelin zu Besuch. Die Großmutter gibt Schildinchen das Rezept mit und bittet ihre Enkelin, deren Mutter möge doch die Teststreifen für sie besorgen. Es ist Herbst, es hat geregnet und nasses Laub liegt auf der Straße. Ihr Hausarzt hat Frau Schildine eingeschärft - wie allen älteren Damen - bei Glatteis und feuchtem Laub daheim zu bleiben und Besorgungen möglichst zu vermeiden, um nicht zu stürzen. (Das hätte Frau Schildine allerdings nicht abgehalten, zur Rathaus-Apotheke zu gehen; denn sie hat ja feste Schuhe mit Profilsohlen; -- obgleich vor einigen Tagen eine befreundete ältere Dame aus der Nachbarschaft gestürzt war und sich einen Schenkelhalsbruch zugezogen hatte - trotz ihrer festen Schuhe mit Profilsohlen). Aber Frau Schildine fühlte sich schon seit einigen Tagen nicht mehr so richtig wohl. Deswegen wollte sie ihre Wohnung nicht verlassen.
Ihre Tochter will das Rezept in der Bahnhofs-Apotheke einlösen, an der sie jeden Tag vorbeigeht. Sie arbeitet außerhalb der Stadt als Sekretärin bei einer Firma im Industriepark. Sie muss vom Bahnhof mit dem Vorortzug etwa 20 Minuten dorthin fahren. (Ja, Schilda ist nicht so klein; es hat auch einen Bahnhof; einen ganz normalen, keinen Kopfbahnhof und keinen unterirdischen. Aber auch Schilda ist modern und will mit der Zeit gehen. Man wollte den Bahnhof modernisieren. Das wurde sehr lange von den Stadtvätern diskutiert. Auch im Schildaer Boten wurde darüber berichtet. Aber das hatte niemand so sonderlich interessiert. Nur als dann ein Baum gefällt werden sollte, gab es riesige Proteste und - für Schilda ganz ungewöhnlich – Demonstrationen, bei denen die Polizei einschreiten musste, sogar mit Pfefferspray, der, wie berichtet wurde, schon das Verfallsdatum überschritten hatte. Nach einiger Ratlosigkeit fanden die klugen Stadtväter eine ganz andere Lösung. Man baue den modernen Bahnhof doch draußen am Flughafen. Dann könnten die internationalen Hochgeschwindigkeitszüge dort halten und dann um Schilda einfach herumfahren. Vom Flughafen könne man ja mit dem Vorortbähnle ganz gut in einer halben Stunde mitten nach Schilda hineinfahren; und für den Regionalverkehr sei der jetzige Bahnhof ja gut genug. - Aber das hat mit den Teststreifen und der Bahnhofs-Apotheke nichts zu tun; das ist eine andere Geschichte.)
Nach Dienstschluss hat es die Tochter von Frau Schildine immer eilig. Denn sie muss für die Familie noch einkaufen und außerdem rechtzeitig Schildolein, ihren vierjährigen Sohn von der KITA abholen. (Für Abkürzungsmuffel: KITA heißt Kindertagesstätte, wohl ein Synonym für den früheren Kindergarten.) Deswegen geht die Tochter in die Bahnhofs-Apotheke, an der sie auf dem Heimweg sowieso vorbeikommt. Dort erklärt man ihr, dass es ganz neue Blutzucker- Messgeräte mit ganz neuen Teststreifen gibt, usw., usw. Die Tochter hat es eilig, denkt an die KITA, zu der sie sowieso schon 5 Minuten zu spät kommen wird, hört nur mit halbem Ohr zu, als ihr das neue Gerät ausführlich vorgestellt wird, ist froh, dass diese langen Erklärungen endlich überstanden sind, bestätigt, dass sie alles verstanden habe und eilt mit Teststreifen und Gerät davon.(Da es viele neue Testgeräte gibt, erhält die Tochter ein anderes Gerät von der Bahnhofs-Apotheke als die Mutter zuvor von der Rathaus-Apotheke erhalten hat.) Daheim gibt sie das neue Gerät mit den neuen Teststreifen Schildinchen, die es zu ihrer Großmutter bringt. Die Großmutter säuft leise, schon wieder ein neues Gerät und neue Teststreifen, wo ich doch mit meinem alten MOBIL-Gerät so gut zurechtgekommen bin. Jetzt habe ich drei Geräte und drei Sorten Teststreifen. Schildinchen versteht nicht recht, warum sich ihre Großmutter über das schöne neue Gerät so gar nicht freut und berichtet das ihrer Mutter, die sich nun auch nicht freut, dass sich ihre Mutter nicht gefreut hat.

Einige Tage später wird die Tochter plötzlich in das Büro ihres Chefs gerufen. Es sei angerufen worden, mit der Mutter sei etwas passiert. Die Nachbarin der Mutter, auch eine ältere Dame, berichtet am Telefon, dass der Notarztes soeben ihre Mutter mitgenommen und ins Krankenhaus gebracht habe. Was genau sei, wisse sie nicht; der Notarzt wohl auch nicht. Denn er habe gemurmelt, was denn jetzt wieder sei. Beim letzten Mal habe sie nicht verstanden gehabt, dass die kleinen roten Tabletten jetzt die großen weißen seien, aber aus Ersparnisgründen mit der doppelten Dosis, die man deswegen durchbrechen müsse.
Der junge Nachbar vom Stockwerk darüber, der auch auf dem Treppenhaus aufgetaucht war, habe gesagt, es sei ja kein Wunder, dass die Krankenkassenbeiträge so steigen würden, wenn die Patienten ihre Tabletten so falsch einnehmen. Alten Leuten solle man überhaupt nichts mehr verschreiben, wenn sie kleine rote mit großen weißen Tabletten verwechseln würden. Er sei dann in seine Wohnung zurückgegangen und habe gesagt, er müsse jetzt an seinem Laptop weiterarbeiten. Kurz darauf habe man ihn fürchterlich fluchen gehört. Er habe herumgeschrieen, alles sei weg. - Wie sich herausstellte, hatte er die Speichertaste mit der Delete-Taste verwechselt.
--------------------------
Ja, es ist doch gut so, dass es diese Probleme nur in Schilda, nicht aber bei uns gibt.
(20.Oktober 2010)