Vorspann
(Tanja auf dem Wochenmarkt; am Obststand)

Tanja zum Verkäufer: „Ich bekomme ein Kilo Äpfel, bitteschön“.
Verkäufer: „Sehr gerne, gnä‘ Frau“.
(Der Verkäufer nimmt eine Tüte und füllt Birnen hinein.)

Tanja:“Aber das sind ja Birnen und keine Äpfel“! –und nach einer kurzen Pause-
„Ich vertrage nämlich Birnen nicht so recht.“

Verkäufer (unwirsch): „Obst ist Obst; egal ob Äpfel oder Birnen - Basta.“
(Äpfel sind teurer)

(Tanja, wieder daheim, erzählt Max, was ihr widerfahren ist.)
"Ich vertrag' die Birnen mit meinem Darm doch so schlecht. Da muß ich alle 6 Stunden, also viermal am Tag laufen; bei Äpfeln nur einmal, und das nur tagsüber."

Max: "Hm, jaaah" (Er weiß keine rechte Antwort; dann) "Wen interessiert das auf dem Wochenmarkt schon."
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Vergleichsobst: 4 kleine Birnen = 1 großer Apfel

19.10.2014
Die Nachricht über Insulin Degludec hat auch Max gelesen.

Tanja:" Max, was liest Du denn da? Du siehst so verstört aus."
Max: "Ich lese gerade die Nachricht des G-BA vom 16.Oktober über Insulin Degludec, d.h. ich habe nur angefangen, sie zu lesen, dann aber abgebrochen, da ein Weiterlesen nach allgemeiner Lebenserfahrung bei Beschlüssen des IQWiG bzw. G-BA statistisch gesehen mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit nur Zeitverschwendung ist. Es kommt mit überwiegender Wahrscheinlichkeit heraus, dass ein neues Medikament teurer als ein altes ist und keinen Zusatznutzen hat - um es einmal so auszudrücken."
(Die weitere Unterhaltung zwischen Max und Tanja ist nicht so bedeutsam, um sie hier wiederzugeben.)

Max beginnt zu sinnieren. Vor langer Zeit habe man die Erkenntnis gewonnen (er kann sich nicht aufraffen, in alter Literatur zu kramen, um festzustellen, wann das war), dass bei Beurteilung der Insulinsekretion und Insulinwirkung zweckmäßigerweise von einem Basal- und einem Prandial-Insulinbedarf ausgegangen werden sollte, eine Erkenntnis, die zur Entwicklung der Insulinpumpe führte, - mit der Möglichkeit einer kontinuierlichen langsamen Insulinzufuhr, die zu den Mahlzeiten kurzzeitig auf ein Vielfaches erhöht werden konnte. Die Insulinpumpen- Therapie führte dann zu der Überlegung, dass es doch auch möglich sein müsse, durch Kombination eines sehr lang wirksamen Depot-Insulins mit einem kurz wirksamen "Alt"- Insulin („Normal"-Insulin war damals kein gebräuchlicher Ausdruck) die Insulinpumpen- Gabe nachzuahmen.
Nicht alle Insulin-Produzenten, die damals neben „Alt“-Insulin überwiegend nur mittellang wirksame Depot-Insulin Präparationen herstellten, waren anfänglich von dieser Vorstellung begeistert. Erst als ein Hersteller den Werbeslogan mit der „Basis-/ Bolus-Therapie“ kreierte, änderte sich das Bild.
Es war nur eine Frage kurzer Zeit bis zu der Feststellung, dass „Alt“-Insuline für einen Bolus zu langsam und zu träge und die damaligen „Depot“-Insuline für eine Abdeckung des Basalbedarfs zu kurz wirksamen waren.
(Es dauerte allerdings ziemlich lange, bis bei manchen Diabetologen ankam, dass die von der Industrie überwiegend unter den Namen Depot-Insulin vermarkteten NPH-Insuline keineswegs geeignete Insuline für eine langwirksame Basalinsulin-Substitution darstellten.)
Von diabetologischer Seite wurde deswegen von den Insulinherstellern gefordert, für die
Bolustherapie rascher wirkende Insuline und für die Basalsubstitution länger wirkende Insuline zu entwickeln und zur Verfügung zu stellen.
Mit Aufkommen der Gentechnologie konnte die Forderung nach rascher wirksamen Insulinen zur Bolustherapie alsbald einigermaßen zufriedenstellend gelöst werden. Die Entwicklung lang wirksamer Depotinsuline zur kontinuierlichen Abdeckung des Basalbedarfs mit möglichst nur einmaliger Gabe pro Tag dauerte länger und ist offensichtlich noch nicht abgeschlossen.

Es sollte sich aber auch bis zu den nicht (mehr) am Patienten, sondern nur am grünen Tisch Tätigen herumgesprochen haben, dass zur Erzielung eines nur mäßig schwankenden basalen Insulinspiegels unter pharmakokinetischer Sicht NPH-Insulin im 6-Stunden-Abstand, also viermal am Tag gespritzt werden müsste, - eine für einen (noch) am Patienten Tätigen und eine für den Patienten selbst nicht gerade zweckmäßig erscheinende Vergleichstherapie.

Tanja:" Max, hör' auf zu grübeln; das Essen ist fertig. Als Nachtisch gibt es aber nur Birnenkompott - Äpfel habe ich ja nicht bekommen können."

(P.Bottermann, München)

einge Tage später

Max:" Ach ja, Tanja, ich habe gehört, dass in der Großmarkthalle ein Obst-Großhändler mit der Großmarktleitung das Äpfel/Birnen-Problem diskutiert. Äpfel soll es wohl weiterhin geben; nur die Verkaufsdetails sind noch unklar."

Nachwort

8.Juli 2015:

Max liest die Meldung über die Marktrücknahme von Insulin Degludec("Tresiba").
Er ist verstört

Tanja: Sie weint.
"Äpfel kann man offenbar nur noch aus dem Ausland beziehen."

Im Oktober 2015

Eine Stellungnahme des Deutschen Diabetiker Bundes, entnommen dem Mitteilungsblatt des Diabetikerbundes Bayern, "kontakt"  Nr.6, November/Dezember 2015.

 

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