(k)ein Aprilscherz

Eine Mitteilung von Herrn Johann Kahle vom Diabetikerbund Bayern e.V.

Festbeträge Insulin ab 01.04.2015
Unter http://www.gkv-spitzenverband.de/krankenversicherung/arzneimittel/arzneimittel_festbetraege/festbetraege.jsp gibt’s den Link zur Festsetzung der Festbeträge für Insulin (außer für Insulinpumpen) ab 01.04.2015.
Der Festbetrag wurde auf 89,64 Euro für 10 x 3 ml festgesetzt, das ist der aktuelle Preis für Zylinderampullen für Pens, d. h. deutlich unter dem Preis für Fertigpens für Humaninsulin. Senken die Pharmahersteller die Preise für Fertigpens nicht zum 01.04.2015, erhöht sich die Zuzahlung für Humaninsulin-Fertigpens um etwas mehr als 6,50 Euro – zusätzlich zur gesetzlichen Zuzahlung. Die private Aufzahlung ist nicht anrechnungsfähig auf die Deckelung der gesetzlichen Zuzahlung, sondern unbegrenzt. Eine Zuzahlungsbefreiung von der Krankenkasse schützt nicht vor der privaten Aufzahlung!
Wird ein insulinpflichtiger Diabetiker von Fertigpens auf wiederbefüllbare Pens umgestellt, muss der Pen – je nach Krankenkasse – genehmigt werden, es fällt die übliche Zuzahlung an. Diese wiederbefüllbaren Pens sind ab 01.04.2015 voraussichtlich nicht kurzfristig lieferbar, da bisher die meisten Ärzte Fertigpens verordnen. Die Kasse übernimmt die Kosten für einen wiederbefüllbaren Pen je Insulinsorte, einen Ersatzpen (nicht verschreibungspflichtig, wenn es kein Fertigpen mit verschreibungspflichtigem Insulin ist) muss der Diabetiker ggf. selbst kaufen. Oder sich Fertigpens verordnen lassen, für die die zusätzliche private Aufzahlung anfällt.
Insbesondere für ältere insulinpflichtige Diabetiker ist ggf. mit erheblichen Problemen zu rechnen, wie von Fachleuten – leider vergeblich – moniert wurde:
http://www.dggeriatrie.de/presse-469/864-pm-keine-insulin-fertigpens-mehr-in-festbetragsgruppen-geriatrische-patienten-werden-nicht-beruecksichtigt

Festgruppen Humaninsulin

1.April 2015: (k)ein Aprilscherz

Tanja
(kommt leicht verstört nach Hause. Sie hat in der Apotheke ein Gespräch mit angehört, dass ab heute Fertigpens für Insulin teurer seien und der Patient für Fertigpens mehr zahlen müsse als für Insulinpatronen, die ja er selber in die Pens einsetzen könne.)
„Max, was mache ich denn nur, wenn Du verreist bist und mir nicht helfen kannst. Schon früher, als ich noch jünger war und es noch keine Fertigpens gab, hatte ich schon mit den Patronen Schwierigkeiten. Immer wieder klemmte etwas; ….und dann das Theater mit der Gewindestange, …. und jetzt, wo ich doch älter bin und meine Finger noch ungeschickter geworden sind…“
Max (unterbricht Tanja; er scheint heute keine gute Laune zu haben): „Dann musst Du die Fertigpens eben jetzt selber zahlen!“
Tanja: “Dann geh ich lieber zu der Diabetesberaterin bei meinem Hausarzt. Die kann das Auswechseln besser als ich. Nur muss ich dann aufpassen, dass ich rechtzeitig zum
Patronenwechsel gehe, bevor die Patrone fast ganz leer ist. Schade um das schöne
Restinsulin in der Patrone, das mit der alten Patrone dann immer weggeworfen wird.“
Max: “Frag‘ doch mal Deinen Enkel, der war bei der letzten Pisa-Studie ja besser als früher,- der kann Dir sicher ausrechnen, was teurer ist, der Fertigpen, den Du ganz leer spritzen kannst und dann zum Recyceln bringst, oder das Insulin, das mit dem Wechsel der Patrone weggeworfen wird.“
Max (wiederholt sich):“Dein Enkel kann Dir sicher ausrechnen, wie groß der Preisunterschied zwischen einer Patrone und einem Fertigpen ist und wie viel eine Einheit Insulin im Fertigpen und eine Einheit Insulin in der Patrone kostet. Dann kann er auch ausrechnen, um wie viel Euro Du teurer bist, wenn Du einen Fertigpen anstelle einer Patrone verwendest bzw. um wie viel früher Du vorsichtshalber eine neue Patrone einsetzen lässt, weil Du aus Angst zum Hausarzt gehst, es könnte das Insulin in der Patrone nicht reichen und Dein Blutzucker könnte entgleisen, -im Vergleich zum Fertigpen, wo Du einfach einen neuen Fertigpen nimmst, wenn der in Gebrauch befindliche leer gespritzt ist.“
Max (nach kurzer Pause) „Oder der Hausarzt gibt Dir einfach zwei Patronen-Pens. Dann kannst Du die Patrone in dem einen Pen immer ganz leer spritzen und nimmst dann einfach den zweiten Pen. Dann verschwendest Du kein Insulin mehr.“
Max (jetzt spöttisch):“ Bisher hast Du Deine Hausarztpraxis nur aufgesucht, wenn die 10er- Packung Fertigpens verbraucht war. Jetzt sieht Dich die Hausarztpraxis zehnmal so häufig.“
Tanja: (geht aus dem Zimmer und murmelt dabei): „Max, Du bist heute aber wirklich nicht gut drauf.“

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