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Urlaub auf eigenes Risiko? -nicht immer

Anlaß des nachfolgenden Schriftwechsels war ein Bericht der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG im Mai 2011.
In diesem Artikel war einleitend zu lesen: "Das Wort 'Hoffnung' kommt im Kleingedruckten von Versicherungsverträgen nicht vor ".
Ganz so verallgemeinern läßt sich das wohl doch nicht, wie Sie aus dem nachfolgenden Schriftwechsel ersehen können.
--- Aber ganz unabhängig von Reiserücktritts-Versicherungen!
Denken Sie als Diabetiker daran, neben den üblichen Empfehlungen, die auch für Nichtdiabetiker gelten, genügend Blutzuckerteststreifen, genügend Insulin und gfs. Einmalspritzen mitzunehmen (auch der Pen kann ja mal klemmen). Nicht in allen Urlaubsländern sind die gleichen Insulinpräparationen und Blutzuckerteststreifen wie in Deutschland erhältlich. Erkundigen Sie sich beim Eintreffen im Urlaubsort, wohin Sie - oder Ihre Angehörigen - sich im Falle eines Falles wenden könnten. Zumindest die lokale telef. Notarztnummer sollten Sie wissen.
--- Was ich allen, gesund oder nicht so ganz gesund, immer empfehle: Sichern Sie sich durch eine Reisekrankenversicherung und speziell eine Reiserückhohlversicherung ab, damit Sie notfalls auch per Rettungsflug an Ihren Heimatort zurückgebracht werden können.
P.Bottermann
P.S. (..und lesen Sie ganz genau das Kleingedruckte, damit es Ihnen nicht so ergeht, wie dem Pat., dessen Fall in der SZ geschildert wurde. Sie wissen ja, Kleingedrucktes hat Grund, kleingedruckt zu sein.)
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SZ 17.05.2011
Bei chronischen Krankheiten zahlt Reiserücktrittversicherung nicht
Das Wort 'Hoffnung' kommt im Kleingedruckten von Versicherungsverträgen nicht vor - diese Erkenntnis ist das Einzige, was ein Münchner im Streit mit seiner Assekuranz gewinnen konnte. Im Gegenzug wird er gut 1600 Euro an die Versicherung und einige Hundert Euro in die Gerichtskasse zahlen müssen. Für die Zukunft weiß er, dass herkömmliche Reiserücktrittsversicherungen für chronisch Kranke kaum geeignet sind.
Der Mann hatte knapp fünf Monate vor dem Urlaub für sich und seine Ehefrau eine zehntägige Reise nach Moskau gebucht. Wie für ihn damals üblich, schloss er dazu eine Reiserücktrittsversicherung ab. Vier Wochen danach erlitt er einen epileptischen Anfall und musste für eine Woche ins Krankenhaus. Er wurde dann als 'arbeits- und reisefähig' entlassen. Genau am Tag der Moskaureise schlug die unberechenbare Krankheit jedoch wieder zu. Er musste den Trip absagen: Der Reiseveranstalter kassierte von ihm deswegen 80 Prozent des Gesamtpreises als Stornogebühren. Diese Geld verlangte der Münchner von der Rücktrittsversicherung zurück. Aber die zahlte nur einen kleinen Teil.
Die restlichen 1617 Euro wollte der Mann schließlich vor dem Münchner Amtsgericht einklagen. 'Für mich war doch nicht vorhersehbar, dass und wann erneut ein Anfall ausbrechen würde', sagte er der Richterin. 'Wenn man den Argumenten der Versicherung folgen würde, könnte ich überhaupt keine Reisen mehr unternehmen', beklagte er. Diese hatte nämlich gesagt, dass eine Heilung von dieser Erkrankung dem Münchner von den Ärzten nicht bestätigt worden sei. Er wisse also, dass die Grunderkrankung fortbestehe und jederzeit ausbrechen könne. 'Das Unterlassen der Stornierung war daher grob fahrlässig.'
Das bestätigte auch die Richterin. Nach den Versicherungsbedingungen habe der Kunde die Verpflichtung, Stornokosten, die doch alle Versicherten gemeinsam tragen müssen, möglichst gering zu halten. 'Er wusste, dass die Durchführung der Reise möglich sein, aber auch scheitern könnte.' Diese Unsicherheit habe nicht die Gemeinschaft der Versicherten zu tragen, sondern allein der Versicherungsnehmer. 'Die Hoffnung auf rechtzeitige Wiedergenesung ist nicht versichert', heißt es im rechtskräftigen Urteil(Az.:281C 8097/10).
Es herrsche bei Urlaubern oftmals die Vorstellung, dass jede Krankheit die Versicherung verpflichte, sämtliche Stornokosten zu bezahlen, sagt Richterin Ingrid Kaps, Sprecherin des Amtsgerichts. 'Dies sei aber nicht der Fall: 'Es muss sich um eine unerwartete schwere Krankheit handeln und der Reisende muss - auch wenn das hart klingt - zum frühest möglichen Zeitpunkt stornieren.' Weiterhin auf Reisen gehen kann natürlich auch der Münchner Epileptiker - aber das Risiko, kurzfristig den Urlaub nicht antreten zu können, muss allein er tragen. Manche Versicherungen bieten inzwischen allerdings an, auch Risiken bereits bekannter Krankheit zu versichern - gegen höhere Prämien.
Ekkehard Müller-Jentsch

Auf diesen Artikel in der Süddeutschen Zeitung wurde ich von Herrn Kahle vom Diabetiker Bund Bayern e.V. aufmerksam gemacht.
- P.Bottermann - 20.05.2011

Anfrage bei Europ. Reiseversicherung

München, Freitag, 20. Mai 2011

Reiserücktrittversicherung
Sehr geehrte Damen und Herren,
als namhaften Reiseversicherer wende ich mich an Sie. Ich beziehe mich auf den beigefügten Artikel der Süddeutschen Zeitung „Urlaub auf eigenes Risiko. Bei chronischen Krankheiten zahlt Reiserücktrittversicherung nicht“ vom 17.05.2011. Da ich beruflich viel mit Diabetikern zu tun habe, möchte ich Sie in Bezug auf den oben genannten Artikel um eine Stellungnahme bezüglich der Versicherung von Personen bitten, die von einer Diabeteserkrankung betroffen sind.
Mit freundlichen Grüßen,
Ihr
Prof. Dr. Peter Bottermann

Anlage Zeitungsausschnitt

Antwort des Versicherung

Sehr geehrter Herr Bottermann,
vielen Dank für Ihre Anfrage bezüglich des SZ-Artikels "Urlaub auf eigenes Risiko. Bei chronischen Krankheiten zahlt Reiserücktrittsversicherung nicht". Gerne nehmen wir hierzu folgendermaßen Stellung:
Im Rahmen der Reiserücktrittsversicherung der ERV besteht für Diabetiker (bzw. für chronisch Erkrankte) Versicherungsschutz, wenn sie in den letzten sechs Monaten vor Versicherungsabschluss nicht ärztlich behandelt wurden. Kontrolluntersuchungen (z.B. die Überprüfung des Blutzuckerspiegels) gelten nicht als Behandlungen. D.h. wenn der Diabetiker gut eingestellt ist, in den letzten sechs Monaten vor Versicherungsabschluss aufgrund des Diabetes nicht behandelt wurde (außer o.g. normale Kontrolluntersuchungen), dann besteht Versicherungsschutz, wenn z.B. der Diabetes entgleist und der Patient neu eingestellt werden muss etc.
Anbei sende ich Ihnen zur Ergänzung unsere Versicherungsbedingungen [204 KB] . Den Passus zur Reiserücktritts-Versicherung finden Sie auf Seite 2 f.
Mit freundlichen Grüßen
Claudia Wetzstein
Pressesprecherin
Europäische Reiseversicherung AG
Rosenheimerstraße 116
81669 München
Tel. +49 (0) 89 4166 - 1568, Fax +49 (0) 89 4166 - 2568
Mailto: claudia.wetzstein@erv.de
Internet: www.erv.de oder www.reiseversicherung.de
Der Reiseversicherer der ERGO
Vorsitzender des Aufsichtsrats: Dr. Clemens Muth
Vorstand: Richard Bader (Vorsitzender), Torsten Haase, Dr. Johann-Dietrich von Hülsen
Sitz der Gesellschaft: München, Amtsgericht München HRB 42 000
USt.-IdNr. DE129274536
Aufsichtsbehörde: Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) – Bereich Versicherungen – Graurheindorfer Straße 108; 53117 Bonn; Telefon: +49 (0) 228 207 - 0

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