Zusätzliche Jodgabe - 150 Mikrogramm - mittels Tabletten während Schwangerschaft und Stillzeit.
Immer wieder gesagt- aber in der Regel nicht befolgt.
Resultat: Intelligenzquotient niedriger.
(auch schon seit 20 Jahren oder länger bekannt; siehe Gabriella Morreale de Escobar)

Jodmangel in der Schwangerschaft Intelligenzminderung beim Kind?

Nadine Eckert | in Medscape am 6. Juni 2013 |

Muss ein Kind im späteren Leben mit einem niedrigeren IQ büßen, wenn es der Mutter in der Schwangerschaft an Jod mangelte? Einen solchen Zusammenhang legt jedenfalls eine aktuelle  Studie mit 1.040 Mutter-Kind-Paaren nahe. Nach deren Ergebnis war  die Jodversorgung der Mutter im ersten Trimenon der Schwangerschaft negativ assoziiert mit der Intelligenz des Kindes im Grundschulalter.
Für die Assoziation gibt es auch eine schlüssige Erklärung: Jod ist ein essenzielles Spurenelement, das der Körper zum Aufbau der Schilddrüsenhormone benötigt. Sind zu wenige von diesen Hormonen da, kann dies die normale Entwicklung des Nervensystems des Kindes stören , erklärt Prof. Dr. Bettina Toth vom Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG).

  Es ist nach wie vor so, dass der Bedarf einer Schwangeren insbesondere nach der 12. Schwangerschaftswoche nicht alleine über die Ernährung gedeckt wird.
Prof. Dr. Bettina Toth

 Wie Dr. Sarah C. Bath von der Universität von Surrey, Guildford, in Großbritannien und ihre Kollegen  in The Lancet berichten, hatten die untersuchten schwangeren Frauen eine mediane Jodkonzentration von 91,1 µg/l im Urin, was einem Jod/Kreatinin-Quotienten von 110 µg/g entspricht. Damit habe bei ihnen ein leichter Jodmangel vorgelegen, schreiben die Autoren[1].

Die WHO empfiehlt für schwangere Frauen einen Jod/Kreatinin-Quotienten zwischen 150 und 249 µg/g. Basierend auf diesem Kriterium wurden die Messergebnisse der Frauen in weniger als 150 µg/g (Jodmangel) oder mehr als 150 µg /g (ausreichende Jodversorgung) eingeteilt.

Dosis-Wirkung-Beziehung nachgewiesen

Bei den Kindern war im Alter von 8 bis 9 Jahren der IQ bestimmt und die Lesefähigkeit ermittelt worden. Da die kognitive Entwicklung von einer ganzen Reihe von Faktoren abhängt, kontrollierten die Forscher insgesamt 21 mögliche Störfaktoren. Darunter waren Variablen wie das Alter der Mutter, belastende Erlebnisse in der Schwangerschaft, der Erziehungsstil der Eltern, aber auch der Konsum von Omega-3-Fettsäuren und Eisen.

Hatten die Mütter in der Schwangerschaft einen Jod/Kreatinin-Quotienten unter 150 µg/g, befanden sich ihre Kinder zu 58% häufiger im Viertel der Kinder mit dem niedrigsten verbalen IQ. Auch in den Tests, in denen Lesegenauigkeit und Leseverständnis überprüft wurden, schnitten diese Kinder schlechter ab.

Bath und ihr Team fanden des Weiteren eine Dosis-Wirkung-Beziehung: Wurde die Gruppe mit weniger als 150 µg/g im Urin weiter aufgeteilt, verschlechterten sich die Intelligenzwerte der Kinder mit abnehmender Jodkonzentration immer weiter.

Gute Lieferanten für Jod sind Seefisch und Milchprodukte. Allerdings reicht der Verzehr dieser Lebensmittel meist nicht aus, deshalb empfiehlt sich zusätzlich die Verwendung von jodiertem Speisesalz. Schwangere sollten 230-260 µg Jod pro Tag zu sich nehmen.

Deutschland gilt jedoch als Jodmangelgebiet. Es ist nach wie vor so, dass der Bedarf einer Schwangeren insbesondere nach der 12. Schwangerschaftswoche nicht alleine über die Ernährung gedeckt wird , sagt  Toth, die als Oberärztin die Abteilung für Gynäkologische Endokrinologie und Fertilitätsstörungen an der Universitätsfrauenklinik Heidelberg leitet, gegenüber Medscape Deutschland. Schwangeren wird grundsätzlich eine Supplementation empfohlen, meist in Form eines Kombinationspräparats mit 150 µg Jod und 400-800 µg Folsäure.

Ruf nach neuen Strategien

Auf Grundlage ihrer Ergebnisse fordern Bath und ihre Kollegen, auch den leichten Jodmangel bei Schwangeren als akutes Problem der öffentlichen Gesundheit einzustufen.

Dass schwerer Jodmangel der Mutter beim Kind zu neurologischen Entwicklungsstörungen führen kann, ist bekannt. Doch für die Auswirkungen eines leichten Mangels habe es bislang kaum Daten gegeben, schreiben Dr. Alex Stagnaro-Green, George Washington University, und Dr. Elizabeth N. Pearce, Boston University, in einem begleitenden  Editorial [2].

Die aktuelle Studie des Teams um Bath  habe ganz klar dokumentiert, dass der Jodmangel gar nicht ausgeprägt sein müsse, um die neurologische Entwicklung des Kindes zu beeinträchtigen. Diese neuen Erkenntnisse sollten die Verantwortlichen in der Gesundheitspolitik zum Handeln bewegen, fordern Stagnaro-Green und Pearce.

Referenzen

  1. Bath SC, et al: Lancet (oonline) 22. Mai 2013
    http://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736%2813%2960436-5/abstract
  2. Stagnaro-Green A, et al:; Lancet (online) 22. Mai 2013
    http://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736%2813%2960717-5/fulltext