Jodierter Unsinn im ZDF - am 30.März 2014

Jodierter Unsinn im ZDF

Am Sonntag, 30. März 2014 brachte das ZDF-Fernsehen um 18:30 Uhr in Terra Xpress "In unserem Essen versteckt" eine Sendung, die jahrzehntelange Bemühungen, den generellen Jodmangel in Deutschland zu beheben, konterkariert hat.
Endlich schien es gelungen, den alimentären, d.h. nahrungsmittelbedingten Jodmangel in Deutschland zu beheben. Vor einigen Jahren war es der WHO endlich möglich, Deutschland von der Liste der Entwicklungsländer mit endemischen Erkrankungen zu streichen, auf der es sich in trauter Gesellschaft mit afrikanischen Ländern befand. Deutschland war als Land mit einem immerhin mäßigen Jodmangel eingestuft. Endlich schien es gelungen, den Jodmangel auch in Deutschland zu beheben, um langfristig Schilddrüsenerkrankungen, so der Entwicklung eines "Kropfes“ vorzubeugen."
Den allgemeinen Jodmangel in der Nahrung durch Jodierung von Nahrungsmitteln zu beseitigen, die von der gesamten Bevölkerung verzehrt werden, führte dazu, Speisesalz zu jodieren, entsprechend der Vorstellung „Salz wird von allen verwandt“. (In anderen Ländern – Tasmanien – wurde Mehl jodiert, unter der Vorstellung „Brot wird von allen gegessen“.)
Als es in der Bundesrepublik Deutschland endlich gelungen war, die Widerstände gegen eine „Verfälschung natürlicher Nahrungsmittel“ durch künstliche Zusatzstoffe zu überwinden (Kochsalz ist übrigens kein "Nahrungsmittel", da es keine Kalorien enthält, Jod ein natürlich vorkommendes Spurenelement, das dummerweise durch die letzte Eiszeit in unseren Ackerböden zur Mangelware wurde), also, als es endlich soweit war, jodiertes Speisesalz im Haushalt verwenden zu können, war der tägliche Verbrauch von Salz im Haushalt inzwischen deutlich zurückgegangen, (da man erkannt hatte, dass zu viel Salz ungünstig ist und zum Beispiel den Blutdruck erhöhen kann.) Also, als man endlich jodiertes Speisesalz zur Verfügung hatte, war es nicht mehr möglich, im Haushalt durch einfaches Zusalzen zu den Speisen die gewünschte tägliche Jodzufuhr zu erreichen. Nur wenn bei der Herstellung von Nahrungsmitteln wie Brot, Wurst und Konserven ebenfalls jodiertes Salz verwandt werde, war die Überlegung, könne man die gewünschte tägliche Jodzufuhr tatsächlich erreichen. Mühsam gelang es nun, Bäcker, Fleischer und die Nahrungsmittelindustrie zur Verwendung von jodiertem Salzes zu bewegen. In der Tat mit Erfolg! Die WHO strich Deutschland vor einigen Jahren aus der Liste der Entwicklungsländer.
Aufatmen!
Endlich das lang ersehnte Ziel einer generellen Kropfprophylaxe erreicht!
Der Bundesbürger könnte sich bequem im Sessel zurücklehnen.
Aber nein! - 28 Minuten Schreck am Sonntagabend.

Sehen Sie sich die Sendung "In unserem Essen versteckt" des ZDF an.

Dann lesen Sie die Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie [57 KB] zu dieser Fernsehsendung.

Dann lesen Sie erst einmal im Internet unter den Stichworten Jodmangel oder Jodversorgung nach, bevor Sie hier weiterlesen.

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Wenn Sie jetzt doch noch weiterlesen wollen:
Als Deutschland bei der WHO noch als Land mit mäßigem Jodmangel galt, hatte es der Einzelne fast einfacher als heute. Bestand eine Schilddrüsenerkrankung oder bemerkte er eine Zunahme seines Halsumfanges („Blähhals“oder „Satthals“), ging er zum Arzt und folgte dessen Anweisungen oder Ratschlägen. Ansonsten konnte er nichts falsch machen, wenn er zur Vorbeugung -zusätzlich zum Jodsalz daheim im Salzstreuer- täglich eine Tablette mit 100 µg Jodid einnahm.
Sofern heute wirklich eine ausreichende alimentäre Jodversorgung bestehen sollte, (die Verwendung von jodiertem Salz in der Nahrungsmittelindustrie ist offenbar schon wieder rückläufig,) könnte der Einzelne auf die tägliche Tablette mit 100 µg Jodid verzichten. Er könnte mit der Einnahme aber auch fortfahren und würde dabei nichts falsch machen, da er weit unter einer alimentären Jodzufuhr von 500 µg pro Tag bliebe, (sofern er nicht gerade regelmäßig Meeresalgen verspeist, deren Jodgehalt nicht abschätzbar ist.)
Sofern er Angst vor den üblichen Verdächtigen hat (Pharmaindustrie u.ä.) und keine Jodtabletten einnehmen mag, kann er "nur wie früher" einen Kopf -und Kropffolgen- bekommen, aber sonst auch nichts falsch machen. Es sei denn, der Betreffende ist weiblich und schwanger.
Dann macht man allerdings so ziemlich alles falsch, wenn man eine Jodidsubstitution unterläßt.

---- Sprüche zum Merken:
Früher (während des Jodmangels gemäß WHO-Definition) hieß es:
Eine Tablette mit 100 µg Jodid für den Hals der Mutter,
zusätzlich eine Tablette mit ebenfalls 100 µg Jodid für das Gehirn des Kindes.

Heute:
Der Hals der Mutter gehört der Mutter;
das Gehirn des Kindes gehört dem Kind und nicht der Mutter: Jodid-Tabletten einnehmen!
Oder:
Von der Einnahme der Anti-Baby Pille = kein Kind,
nahtloser Übergang zur Einnahme der Jodid-Pille (100-150 µg) = gesundes Kind.

(P.Bottermann, im April 2014)

P.S.
Natürlich ist es nach wie vor richtig, bei Schilddrüsenproblemen oder Fragen zu Schilddrüsenerkrankungen einen Arzt aufzusuchen, am besten gleich einen Spezialisten für Schilddrüsenerkrankungen, wie z.B. einen Facharzt für Innere Medizin und Endokrinologie.
Einen Endokrinologen in Ihrer Nähe können Sie mit dieser Suchfunktion oder auch unter der Ärztesuchfunktion Ihrer regionalen Landesärztekammer finden.

Gehirnentwicklung und Jodmangel

Damit die unendliche Geschichte des Jodmangels auf dieser Internetseite nicht unendlich weitergeht, abschließend noch ein Beitrag der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie:

(3) Intrauteriner Jodmangel: Gibt es eine Fürsorgepflicht für Neugeborene und Kinder?
Publiziert am 16. April 2014 von Prof. Helmut Schatz, Bochum
Der Jod-Bedarf einer werdenden Mutter verdoppelt sich während der Schwangerschaft. Gebraucht wird das Jod für den Aufbau der Schilddrüsenhormone. Dass schon ein geringer Jodmangel der Hirnentwicklung des Kindes schadet und dies eine verminderte Intelligenz zur Folge haben kann, zeigt eine Studie aus Süd-England. Die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) rät schwangeren Frauen zur Einnahme von Jodtabletten. Konkret sollen in der Schwangerschaft und in der Stillzeit insgesamt 250 Mikrogramm (µg) Jod pro Tag aufgenommen werden; da mit der Nahrung täglich etwa 100 µg „abgedeckt“ werden, heißt das, dass pro Tag eine Tablette mit 100-150 µg Jod eingenommen werden sollte.

In der Diskussion um Jod und Schilddrüse in den letzten zwei Wochen wurde von keiner/m der Diskutant/innen die Auswirkung eines Jodmangels auf den Embryo und die Kinder angesprochen. Deshalb sollen hier die verheerenden Auswirkungen einer schweren Jodunterversorgung in der Schwangerschaft in der Schweiz vor 1922, dem Zeitpunkt der Einführung der Jodsalzprophylaxe, gezeigt werden.
Im zweiten Teil der...
weiterlesen
Wenn Sie weiterlesen, dann sollten Sie sich auch die Leserzuschriften ganz am Ende zu Gemüte führen – könnte man als Lehrbeispiel für „Borniertheit“ bezeichnen (bedeutet laut französischem Lexikon Beschränktheit, laut Duden Unbelehrbarkeit, Engstirnigkeit).
(P.Bottermann)

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