Pressemitteilung des G-BA

G-BA schließt Glinide und Glitazone zur Diabetes-Therapie von der Verordnungsfähigkeit zu Lasten der GKV aus
Berlin, 17. Juni 2010
– Glinide und Glitazone zur Behandlung des Diabetes mellitus Typ 2 können künftig nur noch in medizinisch begründeten Einzelfällen zu Lasten der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) verordnet werden. Dies hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) am Donnerstag in Berlin beschlossen und damit entsprechende Nutzenbewertungen des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) umgesetzt.
Glinide und Glitazone sind orale Antidiabetika, die zur Behandlung der
Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus Typ 2) verordnet werden. Bei der
Bewertung der Glinide führte der nicht belegte Nutzen zu dem Verordnungsausschluss. (Was mir (P.Bottermann) so spontan beim Lesen einfällt: "Ach Herr Doktor, wo ich so dick bin und doch abnehmen soll; ich würde ja gerne immer wieder mal einfach eine Mahlzeit weglassen. Aber das darf ich ja nicht, weil ich Glibenclamid nehme und dann eine Hypo bekomme." - Wie wars beim Essen doch vordem mit Gliniden so bequem , zu einer Mahlzeit = eine Tablette, zu keiner Mahlzeit = keine Tablette. Aber dann wurden aus der Tüte Nutzenbewertung die Erbsen gestreut.)
Eine Ausnahme wurde für Diabetiker mit schweren Nierenfunktionsstörungen getroffen. Für diese Patientinnen und Patienten kann der Wirkstoff Repaglinid weiterhin verordnet werden. (Was ist denn aus Gliquidon geworden, das seinerzeit von Thomae entwickelt und als Glurenorm® in den Handel gebracht wurde und jetzt von Astella Pharma vertrieben wird? Auch bei einer Clearance unter 30 ml/min haben wir es gegeben, um nicht von Glibenclamid auf Insulin umsetzen zu müssen, sofern die Leberfunktion intakt war. Angeblich liegen keine weiteren Studien bei Niereninsuffizienz vor - Na ja, da beißt sich die Katze namens Qualität und Wirtschaftlichkeit wohl selbst in den Schwanz.) Bei der Nutzenbewertung der Glitazone war das deutlich belegte Schadenspotential Grund für den Verordnungsausschluss: Studien zufolge kann die Behandlung mit Glitazonen sowohl zu Knochenbrüchen als auch zu gravierender Herzschwäche führen.
„Die Datenlage zu Gliniden ist unzureichend, so dass kein Nutzennachweis in Form von evidenzbasierten klinischen Studien gefunden werden konnte – obwohl diese Substanzen bereits seit neun Jahren auf dem Markt sind. Bei den Glitazonen steht nach gründlicher Abwägung des Nutzen-Schaden-Verhältnisses fest, dass der mögliche Schaden beispielsweise in Form von Herzinsuffizienzen und Knochenbrüchen als Folge dieser Arzneimitteltherapie in der Versorgung deutlich überwiegt.
Es stehen zudem andere Präparate zur Verfügung, die keine derartigen
unerwünschten Nebenwirkungen und Langzeitrisiken haben. Wir sind
der Auffassung, dass Patienten sowohl vor nutzlosen als auch besonders vor schädlichen Therapien geschützt werden müssen“, sagte der Unparteiische Vorsitzende des G-BA, Dr. Rainer Hess.
Um Patientinnen und Patienten sowie Ärzten ausreichend Gelegenheit
zur medikamentösen Umstellung zu geben, hat sich der G-BA auf eine
angemessene Frist bis zum Inkrafttreten der Beschlüsse nach der
Nichtbeanstandung durch das Bundesministerium für Gesundheit (BMG)
verständigt. Beschlusstexte sowie Beschlusserläuterungen werden in
Kürze auf folgender Seite im Internet veröffentlicht:

http://www.g-ba.de/informationen/beschluesse/zum-unterausschuss/2/

Irgendwie glaubte ich mich zu erinnern, dass über Pioglitazon günstige Daten bei Makroangiopathie und Niereninsuffizienz vorliegen würden.
(P.Bottermann)

Die Stellungnahme der Deutschen Diabetes-Gesellschaft zum Verordnungsausschluß von Gliniden und Glitazonen können Sie hier lesen.

Abschussliste?

Ob die DPP-IV- Inhibitoren auch schon zum Abschuss freigegeben worden sind?
Und wie ist das mit den SGLT-2-Substanzen, die gerade entwickelt werden?
(24. Juli 2010 - P.Bottermann)